Flughäfen machen mich nervös. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum. Und trotzdem liebe ich es, bald irgendwo anzukommen, wo mir Sprache, Klima und Alltag fremd sind.

Für unseren Familienurlaub in Tunesien hatte ich mir diesmal auch fotografisch etwas vorgenommen: Ich wollte die gesamte Reise mit nur einer einzigen Brennweite festhalten. 40 Millimeter an meiner Nikon Zf mit dem kleinen NIKKOR Z 40mm f/2. Und dieselbe Brennweite zum Filmen an der Nikon ZR.
Kein Zoom, keine Alternative für den Fall, dass es nicht reicht.
Vielleicht eine seltsame Entscheidung. Schließlich war das keine Fotoreise. Wir waren ja wegen der Familie hier, hatten Besorgungen zu erledigen und eine Feier vorzubereiten. Ich würde fotografieren, was unterwegs passiert, ohne zu wissen, welche Motive mich erwarten.
Aber genau darin lag für mich der Reiz.
Ich wollte herausfinden, ob eine einzige Festbrennweite ausreichen kann, um eine Reise zu erzählen. Und was mit meiner Fotografie passiert, wenn ich aufhöre, für jede Situation das passende Objektiv dabeizuhaben.
Warum ausgerechnet das Nikon Z 40mm f/2?
Das NIKKOR Z 40mm f/2 gehört zu den einfacheren und erschwinglicheren Objektiven im Nikon-Z-System. Keine große S-Line-Linse, kein teures Premiumobjektiv. Eine kleine, lichtstarke Festbrennweite, die an der Nikon Zf eine angenehm leichte und unaufdringliche Kombination ergibt.
40mm liegen irgendwo zwischen den klassischen 35 und 50 Millimetern. Weit genug, um Menschen in ihrer Umgebung zu zeigen, aber nicht so weit, dass alles auf Abstand geht.
Für die Reisefotografie klingt das zunächst vielversprechend. Ein Zoom wäre natürlich flexibler gewesen. Gerade unterwegs gibt es immer wieder Situationen, in denen man weder näher an ein Motiv herankommt noch weiter zurücktreten kann.
Doch bei diesem Experiment ging es mir nicht um möglichst wenig Gewicht.
Es ging darum, eine Entscheidung weniger treffen zu müssen.
Ich wollte nicht ständig überlegen, ob eine andere Brennweite gerade besser wäre. Stattdessen wollte ich mich mehr bewegen, genauer hinsehen und die Technik für einen Moment aus dem Kopf bekommen.
Ob das funktionieren würde, wusste ich nicht.
Kairouan – wenn 40mm einfach funktionieren
Auf dem Dach eines Cafés in Kairouan fühlten sich 40 Millimeter zunächst erstaunlich gut an.

Zwischen unverputzten Mauern, alten Fliesen und improvisierten Sitzbereichen entdeckte ich immer neue Motive. Ein gefliester Bogen rahmte ein Minarett ein. Erst fotografierte ich es im Hochformat, dann mit etwas mehr von dieser eigenwilligen Dachlandschaft drumherum.
Ein paar Schritte weiter blieb ich an einer blauen Tür hängen. Erst dann bemerkte ich den weißen Vogel.
Mit 40mm und offener Blende konnte ich ihn aus der Umgebung herauslösen. Die Türen verschwammen weich im Hintergrund, ohne ihre Farbe und ihren Charakter zu verlieren.
Hier zeigte die Brennweite ihre Stärke. Ich konnte Details herausgreifen, aber auch genug von ihrer Umgebung stehen lassen, um etwas über den Ort zu erzählen.
Vor allem konnte ich mich frei bewegen. Ein Schritt nach links, ein wenig zurück, ein anderer Blickwinkel.
Solange ich meinen Abstand zum Motiv verändern konnte, fühlten sich 40mm kaum wie eine Einschränkung an.
Sousse – wenn der Bildausschnitt nicht immer reicht
Am Meer in Sousse änderte sich das.
Der Wind drückte gegen die Küste, die Wellen waren unruhig. Immer wieder brach die Sonne durch die Wolken und veränderte innerhalb weniger Sekunden das Licht.
Ich fotografierte zunächst einfach den Strand entlang. Doch irgendwie gelang es mir nicht, das festzuhalten, was ich dort empfand.
Also suchte ich einen höheren Aussichtspunkt.
Von einer Dachterrasse aus konnte ich beide Seiten der Küste überblicken. Nur meinen Standort konnte ich kaum noch verändern.
Plötzlich waren 40mm für ein weites Panorama zu eng und für entfernte Details zu weit. Ein kleines Schiff draußen auf dem Meer blieb winzig im Bild. Keine Möglichkeit, näher heranzukommen.

Und trotzdem gefiel mir gerade diese Aufnahme. In der beinahe endlosen Wasserfläche wirkte das Schiff verloren. Schwarzweiß verstärkte diesen Eindruck noch.
Auf der anderen Seite der Küste fand ich schließlich klarere Kompositionen. Stege rahmten eine kleine Bucht, Wellen zeichneten geschwungene Linien ins Wasser.
Anstatt immer mehr von der Szene zeigen zu wollen, reduzierte ich den Ausschnitt auf das, was für mich funktionierte.
Vielleicht liegt darin eine der interessantesten Erfahrungen mit einer Festbrennweite: Nicht jedes Motiv lässt sich so fotografieren, wie man es sich zunächst vorstellt. Manchmal entsteht das bessere Bild erst, wenn man diese Vorstellung loslässt.
Die Stärke von 40mm: Menschen und ihre Geschichten
Während unserer Reise wurde die Kamera immer wieder zum stillen Begleiter.
Wir streiften durch die Gassen von Kairouan, erledigten Besorgungen, hielten wegen einer Autoreparatur an und begegneten Menschen, deren Alltag für einen kurzen Moment Teil unserer Geschichte wurde.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Besuch von Oum Ezzine. In einem ruhigen Innenhof zwischen Bögen, Fliesen und Ornamenten erlebten wir, wie traditionelle tunesische Harkus-Verzierungen auf die Haut gezeichnet wurden.
Hier mochte ich die 40mm besonders.

Ich konnte Hände und Gesichter nah genug fotografieren, um kleine Gesten sichtbar zu machen, ohne die Menschen vollständig aus ihrer Umgebung zu lösen. Bei f/2 traten einzelne Details sanft hervor, während der Rest der Szene zurückwich.
Auch bei unserem abendlichen Familienausflug in einen Freizeitpark entstanden solche Bilder. Keine geplanten Fotoshootings, sondern beiläufige Momente. Kinder zwischen Attraktionen, Licht und Bewegung.
Als die Dunkelheit einsetzte, verschwammen die bunten Lichter im Hintergrund. Die offene Blende half mir, selbst im schwindenden Licht noch stimmungsvolle Aufnahmen festzuhalten.
Gerade für diese Art von dokumentarischer Alltagsfotografie empfand ich 40mm als angenehm. Nah am Geschehen, ohne den Kontext zu verlieren.
Wenn Fotografie außer Kontrolle gerät
Die größte Herausforderung erwartete mich allerdings erst bei unserer Familienfeier.
Musiker, Trommeln, Tanz und ein Raum voller Menschen. Kaum Platz, ständig wechselndes Licht und Motive, die nicht eine Sekunde stillhielten.

Was zuvor eine angenehme fotografische Beschränkung gewesen war, wurde plötzlich zum Problem.
Mit 40mm konnte ich meinen Abstand kaum noch verändern. Für manche Szenen hätte ich dringend mehr Weitwinkel gebraucht. Andere Momente verschwanden, bevor ich überhaupt reagieren konnte.
Keine Zeit, lange über Bildkompositionen nachzudenken.
Ich versuchte, die Musiker aus dem Durcheinander herauszulösen, Gesichter einzufangen und wenigstens etwas von der Energie dieses Abends festzuhalten.
Nicht alles gelang. Vieles war zu eng, wiederum anderes zu unruhig.
Aber die Bilder erzählen trotzdem etwas von diesem Abend.
Und vielleicht machen sie gerade das so gut, weil nichts unter Kontrolle ist.
Was von diesem Experiment geblieben ist
Gegen Ende unserer Reise stand ich noch einmal am Meer.
Nach all der Hitze, den langen Fahrten und der ausgelassenen Feier fühlte sich der Strand wie eine kleine Befreiung an.
Ich fotografierte die Kinder im Wasser, die aufgewühlten Wellen und einen vertrauten Moment zwischen Mutter und Kind.
Ohne große fotografische Absicht.
Körpersprache, das weiche Abendlicht und die Weite des Meeres reichten aus, um aus kleinen Augenblicken persönliche Erinnerungen zu machen.
Irgendwann bemerkte ich, dass ich über die Brennweite längst nicht mehr nachdachte.
Natürlich hatte ich auf dieser Reise Fotos verpasst. Mal waren 40mm zu eng, mal fehlte mir die Reichweite. Ein Zoomobjektiv hätte viele Situationen einfacher gemacht.
Aber ich hatte mich auch mehr bewegt, improvisiert und vor allem gelernt, zu akzeptieren, was möglich war – und was eben nicht.
Nach Jahren ständiger Technikoptimierung fühlte sich das überraschend befreiend an.

Ist das Nikon Z 40mm f/2 also eine gute Wahl für die Reisefotografie? Für mich ja, besonders für Menschen, Begegnungen, Details und die kleinen Geschichten unterwegs. Wer maximale Flexibilität, weite Architekturaufnahmen oder entfernte Motive fotografieren möchte, wird seine Grenzen allerdings schnell kennenlernen.
Ich würde deshalb nicht behaupten, dass 40mm die ideale Brennweite für jede Reise sind.
Aber vielleicht braucht es die auch gar nicht.
Haben 40 Millimeter für mich gereicht? Nicht für jedes Foto. Aber um diese Reise zu erzählen, schon.
Der Film zum Experiment
Wie sich das Fotografieren mit nur einer Brennweite unterwegs tatsächlich angefühlt hat, welche Bilder entstanden sind und welche Momente sich nicht planen ließen, zeige ich in meinem begleitenden YouTube-Film.